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Österreichische Crosslaufmeisterschaft 2025
Story

Österreichische Crosslaufmeisterschaft 2025

Ein letztes Highlight am heurigen Wettkampfkalender und es wurde zu einem erfolgreichen Vereinsausflug ins Burgenland.

Datum
28. Nov. 2025
Autor
Harald Huss
Fotos
ÖLV / Alfred Nevsimal

Das Verlangen wieder im Tiefschnee, Gatsch oder auf blank gefrorenem Terrain zu laufen war eigentlich nie wirklich weg, viele Crossläufe lagen in meinem langen Läuferleben schon hinter mir, zahlreiche davon auch in Form von Landes- und Staatsmeisterschaften. Weitere Crosslauferlebnisse wurden mir irgendwann durch diverse langwierige körperliche Baustellen verwehrt, Laufsport an sich war über viele Jahre unmöglich, Crosslauf selbst mit seinen geländetechnischen Tücken und Richtungsänderungen völlig undenkbar. Lieber so halbwegs wieder laufen können und nix riskieren, das war das (logische) Motto. Aber heuer, genau 25 Jahre nach meinem letzten Crosslauf erwachte die Sehnsucht in mir wieder. Kurze Versuche im Gelände mich darauf vorzubereiten und auszutesten, endeten in einer Ernüchterung in Form von beleidigten Knien. Daher wurde der ursprüngliche Plan bei den Steir. Crosslaufmeisterschaften beim Mastersbewerb an den Start zu gehen frustriert fallen gelassen. Thema beendet. Oder doch nicht? Da gab es ja noch die Staatsmeisterschaften und die Tatsache, dass man dort mit reiferen Männern mehr Mitleid hat und sie nicht gleich zur Langstrecke verdonnert. Trotzdem… Bedenken, Vernunft. Den letzten Ausschlag zum Meinungsschwenk gab es dann durch das runninGraz-Rundmail mit dem Apell „[…] Nicht nur Medaillen-Anwärter:innen sind gefragt, sondern ALLE, denn ein guter Teamauftritt lebt von möglichst vielen Teilnehmer:innen & Fans.[…]“. Ab da war klar, ich werde dabei sein auch ohne Vorbereitung und Erwartungen, denn Team ist Team. Auf nach St. Margarethen! Ahhh… am Vortag ist‘ mir geschossen, da war noch was, mit Spikes oder so. In dunkler Erinnerung abgespeichert war klar, dass 6mm-Dornen nicht geeignet wären, aber ich hab‘ hoffentlich noch was Geeignetes im Kellerabteil vergraben. Gesucht, gefunden, ein alter, verdreckter Schuh noch ausgestattet mit 12mm-Spikes, die schon auf 10mm runtergeschändet wurden, völlig verrostet und dort 25 Jahre der weiteren Aufgaben geharrt haben.

Szenenwechsel, St. Margarethen im Burgenland.: Kalt. Gefühlt sehr kalt, der eisige Wind der Pannonischen Tiefebene geht mir durch Mark und Bein. Der Ort ist durch Opernaufführungen im örtlichen Steinbruch sehr bekannt, man gab heuer als letzte Aufführung den „fliegenden Holländer“, es scheint, als würde der Sturm, in den das Schiff geraten ist, noch ein wenig nachwirken. Am Renngelände liegt noch eine dünne Schneeschicht vom Niederschlag des Vortages, der Boden ist recht hart. In Kürze werden hier 20 runninGrazerInnen (5 Damen, 15 Herren) von U18 bis M55 in ihren unverkennbar schwarzen Dressen für Stimmung und gute Leistungen sorgen. Der erste Eindruck von der Strecke ist sehr positiv, ein gut konstruierter Kurs mit vielen Richtungsänderungen, leicht kupiert, Wiese, Wald, Brücken und künstliche Hindernisse, aber auch mit einer längeren flachen Passage rund um den Badeteich. Mit einer Rundenlänge (große Runde) von ca. 1,2 km ist das Renngeschehen für die Zuseher auch recht gut einsehbar und selbst die hintersten Winkel kann man in Kombination mit dem Live-Stream gut verfolgen. Mit dem Start der U18 waren auch erstmals an diesem Tag mit Jakob und Florian runninGraz-Kämpfer in einem sehr starken Teilnehmerfeld im Einsatz. Den Sieg über die rund 3,2km lange Distanz holte sich hier Josua Gschwendtner überlegen als einer der wenigen Teilnehmer aus den westlichsten Bundesländern. Für einen Titel nimmt man die lange Fahrt aber sicher sehr gerne in Kauf, vor allem mit dem Wissen, dass man mit seinen 17 Jahren schon knapp an der 14 Minuten-Grenze über 5000m schrammt. Als Zuseher konnte man schon erahnen, dass es in manchen Kurven sehr rutschig ist, es gab einige Ausrutscher zu beobachten. Die Sonne kämpfte sich ein wenig hervor, der Schnee war bald Geschichte und der Boden etwas weicher. Daher war für mich auch klar, Spikes werden es auf jeden Fall werden. Manche haben im Nachhinein ihre Schuhwahl bereut „Fatale Schuhwahl, ohne Spikes keine Chance. […] Wenn du mit dem stumpfen Buttermesser zur Schießerei kommst…“.

Der zweite Auftritt der runninGrazer erfolge im nachfolgenden Männerbewerb über die Kurzstrecke, ebenfalls über 3,2 km ausgesteckt. Auch wenn der Lokalmatador und klare Favorit Raphael Pallitsch kurzfristig absagen musste, war auch hier ein Klassefeld am Start. Florian, Christian und David boten den Zusehern sichtlich totalen Einsatz. 3 Männer ergeben ein Team und der Einsatz wurde mit einem Diplom in Form eines 6. Platzes belohnt.

Der nächste Programmpunkt war das Rennen der Damen der allgemeinen Klasse und Mastersklassen der Frauen und Männer ab 50 Jahren. Die Strecke führte erstmalig an dem Tag nur über die langen Runden, dabei durfte man sich 4-mal Gedanken über Kurven- und Sprungtechnik über Hindernisse machen und in Summe rund 5 km absolvieren. Mit insgesamt 116 StarterInnen stand hier das größte und wohl auch inhomogenste Feld des Tages am Start. Überrundungen auf den engen Wegen waren damit vorgezeichnet. 4 Damen und 3 Herren von runninGraz stellten sich hier nach langen eisigen 15 Minuten zwischen Vorstart und Start an die Startlinie in freudiger Erwartung auf einen baldigen erlösenden Startschuss. Ganz klare Favoritin hier war Carina Reicht, der eine souveräne Titelverteidigung mit Start-Ziel-Sieg gelang. Unsere Damen der allgemeinen Klasse mit Anna S., Lena-Maria, Anna G. und Julia konnten dem Rennen auch ihren Stempel eindrucksvoll aufdrücken und platzierten sich im Vorderfeld mit den Plätzen 5, 6, 8 und 9, wobei hier unsere beiden besten Damen die Zeitnehmung im Bereich von Sekundenbruchteilen herausgefordert haben. Drei starke Damen ergeben auch hier ein Team und damit kürten sie sich zu Vizestaatsmeisterinnen der Damen. Teresa in Klasse W35 machte es dem Team nach, sie konnte die 2. Silbermedaille an dem Tag erringen. Bei den Herren-Masters standen hier 3 Haudegen in Form von Christoph, Georg und meiner Wenigkeit am Start. Es ist schon ehrenhaft in der Masterklasse M50 mit der signifikant größten Teilnehmerzahl (17) starten zu dürfen, offensichtlich haben die Herren dieser Alterskohorte ein erhöhtes Bewegungsbedürfnis oder möglicherweise sonntägliche Langweile. Nach dem anfänglichen Gedränge in den ersten Kurven fädelte sich das Feld bald einmal perlenartig auf. Ein vorsichtiges Herangehen, die Kurven eher streicheln war das Gebot der ersten Minuten. Bloß nicht über einen der Baumstammwegelagerer stürzen, es ist zwar schon 25 Jahre her, aber beim letzten Crosslauf durfte ich beim „Endgegner gefrorener Maulwurfshügel“ den Kürzeren ziehen, einen kapitalen Sturz hinlegen und irgendwie noch ins Ziel humpeln – weil ja bekanntlich nicht aufgegeben wird. Von Runde zu Runde wurden zwar die Hindernisse gefühlt höher, aber ich konnte ein halbwegs konstantes Tempo hinlegen. Am Ende meiner Vorschlussrunde vernahm ich den Platzsprecher, der Carina Reicht auf ihren letzten Metern zum Titel schon angekündigt hat. Eine Überrundung wollte ich nicht zulassen, eine gewisse Restehre will man sich dann doch noch bewahren und so gings dann noch flott zur Schlussrunde, endlich wurden dann auch die Zehen wieder warm, es war fast schon schade nach 4 Runden aufhören zu müssen. Verletzungsfrei ins Ziel gekommen, dieses Minimalziel wurde gemeistert, sonst war es unter Berücksichtigung des Laufuntergrundes bezogen auf die bisherigen Leistungen bei vergleichbaren Distanzen heuer eher bescheiden.

Beim letzten Bewerb des Tages auf der Männer Langstrecke der allgemeinen Klasse bzw. Masters bis M45 auf 7 langen Runden oder rund 8,5 km Laufdistanz stellten sich 7 runninGrazer dem Medaillenkampf. Natürlich wieder top besetzt, für den Zuseher ein Leckerbissen mit einem Dreikampf über lange Strecken beförderte sich Kevin Kamenschak nicht nur zu Titelehren sondern auch gleich direkt zur Crosslauf-EM in Portugal. Mathias, Krisztian und Christoph konnten mit ihren Einzelplatzierungen kollektiv nur von einem Team in Österreich besiegt werden und errangen ein weiteres Mal silbernes Edelmetall für den Verein. Das 2. runninGraz-Team kam auf den undankbaren 4. Platz mit starken Leistungen, Andreas, Marius und Phillip formten dieses Team. Und weil 3-mal Silber noch zu wenig war, besserte Andreas als gesamt 19. und 2. der Mastersklasse M40 die farbgleiche Medaillen-Bilanz noch einmal auf.

Eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit minutiösem Zeitplan, die sich berechtigter Weise für höhere Aufgaben in Form einer Crosslauf-EM empfohlen hat ging mit einem starken runninGraz-Team und sichtbarer Präsenz in den Wettkämpfen und im Festzelt bei den Ehrungen zu Ende.

Auch für mich war es wieder ein Anknüpfen an längst vergangene Zeiten, es macht Lust auf mehr, noch einmal 25 Jahre auf den nächsten Einsatz warten ist definitiv zu lange, lieber eine oder mehrere Chancen bis dahin hoffentlich nützen.

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